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Ich habe mir einen Hund gekauft

Ich habe mir einen Hund gekauft. Und das obwohl ich noch studiere. Ich muss absolut verrückt sein, aber was soll ich sagen, das Leben mit einem Hund ist wohl eine Art Herzensangelegenheit für mich.

Natürlich sage ich mir sachlich, dass ich mir den Wurf Bichon-frisé Welpen nur anschaue und dann erst entscheide, ob ich den Rüden aus dem Wurf nehme. Zum Züchter nehme ich meine gute Freundin und ehemalige Chefin Carolin Möller mit. Denn sie ist Gründerin der Akademie für tiergestützte Therapie, Besitzerin eines erstklassigen Therapiezentrums in Kiel – und: Hundeprofi.

Also fahren wir in den Wilden Osten, nach Perleberg, zu den Bichon frisé – Züchtern unserer Wahl. Ich betrete die Küche, um mich rum Gewusel, viele kleine Ohren, viele kleine Pfoten. Mein Blick fällt das erste Mal auf den Hund, den ich kurze Zeit später Hektor nennen werde. Er besteht alle Tests, die sich Caro für ihn ausgedacht hat mit Bravour. Mein Kopf qualmt, ist DAS jetzt der RICHTIGE Hund für mich? Sollte ich das wirklich machen? Das passt doch gerade GAR NICHT zu meinem Leben…..Ich gehe auf Toilette, wahrscheinlich, um Zeit zu gewinnen. Als ich die Tür hinter mir schließe, ist das kleine Fellknäuel tatsächlich einfach mitgekommen. Ich schaue ihn mir ganz ihn Ruhe an. Und auf einmal ist da kein Zweifel mehr. Der Kopf hat Sendepause. Mein Herz gibt mir einen Riesenschubs und ich knie mich zu ihm runter, wir sehen uns das erste Mal in die Augen.

Ab da beginnt unser gemeinsames Leben zu laufen. Ich werde diesen Hund kaufen. Es ist Januar 2008. Wir fahren nach Hause. Das ist noch nicht das Zuhause, das ich jetzt habe. Aber mein Zuhause ist ab sofort da, wo mein Hund ist. Und andersrum. Hektor begleitet mich durch mein Staatsexamen, durch fiese Liebeskummer, durchs Referendariat, durch Freudentaumel über gewonnene Wettkämpfe, bestandene Prüfungen, durch Freundschaften, durch Streitigkeiten. Er begleitet mich in die Schule. Er begleitet mich auf meinem Weg eine Familie zu gründen. Durch meine Hochzeit, die Geburten meiner Kinder, meine Elternzeit, die depressiven Phasen als Mutter und die guten Phasen als Mutter. Er lernt meine Kinder kennen. Erst ignoriert er sie, dann toleriert er sie und dann akzeptiert er sie und schließt sie in sein Herz. Er ist die grüßte emotionale Stütze für mein mittleres Kind, dieses Kind ist hochsensibel und lernt mit Hektor sich selbst zu beruhigen. Er wird im Familientrubel häufig zur Nebensache, die Müdigkeit ist zu groß, der Stress zu hoch, die Wäscheberge riesig und die Brotdosen noch nicht geschmiert. Jetzt gerade in diesem Moment tut mir das leid, ich bin mir sicher, wenn ich Hektor fragen würde, würde er sagen: „Ach, nen WUFF drauf, das passt schon, ich hatte ne gute Zeit!“

Hektor ist und bleibt sein Leben lang zufrieden. Er will dabei sein. Er will ein Teil sein. Wenn ich einen Koffer packe, setzt er sich rein noch bevor die erste Unterhose verstaut ist. Das versteht Hektor als seine Aufgabe.

Heute, am 26.7.2021 übernachtet Hektor das erste Mal in einer Tierklinik. Seit 2 Tagen kann er weder schlafen, noch fressen. Vor drei Tagen ging es ihm noch gut. Die Tierärztin wird mir sagen, dass seine Leber- und Nierenwerte im toxischen Bereich sind und sie nicht weiß, ob sie ihm helfen kann. Ich hätte die Wahl es zu versuchen, es wäre aber auch verständlich, wenn ich ihn in diesem Alter erlösen wollen würde. Meine Tränen laufen hinter meiner Maske zu einem See zusammen. Ich möchte das nicht wahrhaben. Hektor und ich haben doch abgemacht, dass er 16 Jahre alt wird. Jetzt ist er 13 Jahre und 8 Monate und 23 Tage alt. Ich klammere mich kindisch an eine Abmachung, die ich mich einem Hund getroffen habe. Mit einem Hund. Ich bin noch nicht bereit dafür. Dieser Hund hat an allem in meinem Leben Anteil gehabt, was mir irgendwas bedeutet. Er ist Zeitzeuge der wichtigsten Phasen meines Lebens und ich möchte mich noch nicht verabschieden. Jetzt noch nicht.

Also sage ich, dass ich möchte, dass sie versuchen, ob Antibiotika und Cortison etwas ausrichten können gegen diese Blutwerte, die ihm seine ganze Lebensfreude nehmen.

Ich warte jetzt auf einen Anruf. Der kommt morgen. Warten tue ich aber jetzt schon. Und mir ist klar, auch wenn es in den letzten Jahren sehr viele turbulente Dinge in meinem Leben gab, die meine Aufmerksamkeit voll gefordert haben und ich manchmal mein Umfeld gar nicht richtig in Augenschein genommen habe, war ich mir doch immer sicher: Hektor war da. Einfach immer. Und das war unglaublich wichtig für mich. Weil er ganz einfach ein Teil von mir ist.

Dieser Artikel ist Teil der #crazyblogwoche mit Susi und Veronika, bei der wir alle drei in sechs Tagen sechs Artikel schrieben zu einem gelosten Stichwort. Das Stichwort von heute lautet „Herzensangelegenheit“. Sobald sie veröffentlicht sind, verlinke ich natürlich auch die anderen Artikel hier.

Susis Artikel zum Thema Herzensangelegenheit findest du hier: https://susi-haekelt.at/blog-de/babysachen-haekeln-als-geschenk

Veronikas Artikel zum Thema Herzensangelegenheit findest du hier: https://leadlikeamom.com/warum-ich-selbstfuersorge-endlich-wichtiger-nehmen-will/

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